Weg von der Schuldfrage: Wie Teams aufhören zu suchen, wer’s war – und anfangen, was jetzt hilft
Montagmorgen, 9:03 Uhr. Die Stimmung im Teammeeting ist angespannt. Die Präsentation für den Kunden ist unvollständig. Wieder mal. Alle blicken auf Laura. Sie hatte das letzte To-do auf dem Zettel.
„Das war so nicht abgesprochen“, sagt sie leise.
Markus, der Projektleiter, schweigt. Anna schaut zur Seite. Niemand sagt offen, was alle denken – aber das Klima ist plötzlich frostig.
So oder so ähnlich beginnt sie oft: Die stille Suche nach der Schuldigen. Kein offener Vorwurf. Kein Drama. Und doch hängt der Elefant im Raum.
Der unsichtbare Reflex: Wer war’s?
Fehler passieren. Immer. Überall. Die Frage ist nicht ob, sondern wie wir mit ihnen umgehen.
Und genau hier beginnt das Problem: Unser erster Impuls ist oft nicht der klügste. Sondern der menschlichste. Und der lautet: Schuldige finden.
Psychologisch nachvollziehbar – aber hochgradig dysfunktional. Denn wer Schuld zuweist, bekommt keine Lösung. Sondern Schweigen. Rechtfertigung. Oder passiven Rückzug.
Schuld lähmt. Verantwortung bewegt.
Schuld macht klein. Sie produziert Angst, Rechtfertigungsdruck, Scham. Und oft: Schweigen.
Verantwortung hingegen macht handlungsfähig. Sie sagt: „Ich erkenne meinen Anteil – und übernehme, was ich übernehmen kann.“
Zwischen diesen beiden Polen entscheidet sich, ob dein Team blockiert oder gemeinsam wächst.
Warum wir so auf Schuld fixiert sind
Das „Schuld-Denken“ ist tief verankert – in Schule, Justiz, Religion. Wer Fehler macht, bekommt eine schlechte Note, eine Strafe, eine Moralpredigt.
Auch in Unternehmen spiegelt sich das: Wer verantwortlich ist, muss „den Kopf hinhalten“. Ein gefährlicher Mechanismus – denn er verhindert, dass Fehler sichtbar und besprechbar werden.
Dabei zeigt eine McKinsey-Studie (2023):
👉 Teams mit konstruktiver Fehlerkultur haben eine um 40 % höhere Innovationsquote
👉 Und eine um 27 % geringere Fluktuation
Story aus der Praxis: Schuldkultur im Chat
Ein Vertriebsteam in einem mittelständischen Unternehmen. Nach einer misslungenen Kundenvorstellung schreibt ein Kollege in den Gruppenchat:
„War das wieder die falsche Version, weil jemand das Update nicht gemacht hat?“
Was folgt: Funkstille. Rechtfertigungen. Rückzug. Es dauert drei Wochen, bis das Team wieder in den Flow kommt.
Erst als sie eine gemeinsame Rückschau mit klarer Struktur durchführen, wird deutlich:
– Es fehlte nicht nur ein Update,
– sondern auch Rollenklärung,
– technische Übergabe,
– und ein funktionierender Abstimmungsprozess.
Lektion: Der Fehler hatte viele Ursachen – und keine:n Schuldige:n.
Mini-Modell: Vom Schuld-Dreieck zum Lösungs-Dreieck
Schuld-Dreieck:
- Wer war’s?
- Warum hat er:sie das getan?
- Wer muss sich jetzt rechtfertigen?
Lösungs-Dreieck:
- Was ist passiert – sachlich betrachtet?
- Was lernen wir daraus?
- Was brauchen wir, um weiterzukommen?
Dieses Reframing verändert alles. Denn es verlagert Energie: von der Vergangenheit in die Zukunft, von der Person zum Prozess, vom Ego zur Co-Kreation.
Drei Tools für den Shift in deinem Team
- Reflexionsrunden nach jedem Projektabschluss:
Nicht wer’s war, sondern was wir nächstes Mal besser machen wollen. - Offene Gesprächsrunden im Teammeeting:
Jede:r darf sagen, was gerade schwerfällt – ohne Bewertung. - Verantwortungs-Pingpong statt Schuldzuweisung:
„Was war mein Anteil?“ + „Was war dein Anteil?“ + „Was braucht es fürs nächste Mal?“
Fazit: Die Schuldfrage kostet Vertrauen. Die Lösungsfrage bringt es zurück.
Du willst psychologische Sicherheit im Team? Dann verabschiede dich von der Schuldfrage.
Teams, die aufhören, Schuldige zu suchen, finden etwas viel Wertvolleres: Verantwortung. Vertrauen. Wachstum.
Also: Lasst uns nicht fragen, wer die Kuh aufs Eis geführt hat. Sondern wie wir sie gemeinsam wieder runterholen.
Du möchtest diesen Shift in deinem Team gestalten?
Dann lass uns sprechen. Ich unterstütze dich gern auf dem Weg zu einer Teamkultur, die weniger mit Schuld arbeitet – und mehr mit Lösungen.
Verwandte Blogbeiträge, die für dich auch interessant sein könnten:





