Decision Making Process | Entscheidungen treffen | Entscheidungsfindung | Fehlerkultur | Partizipation
Entscheidungsfindung: Autonom entscheiden oder ins Team bringen?

Nov 4, 2023 | Impulse, Performance

Entscheidungen treffen ist eine wichtige Kernkompetenz von Führungskräften. Zugleich kann und soll eine Führungskraft nicht alles alleine entscheiden. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen es sinnvoll und wichtig ist partizipative Entscheidungsprozesse im Team zu etablieren.

Unter Entscheidung versteht man die Wahl einer Handlung aus mindestens zwei vorhandenen potenziellen Handlungsalternativen unter Beachtung der übergeordneten Ziele.

Der Mensch trifft täglich ca. 20.000 Entscheidungen. Gehen wir von 8 Stunden Schlaf aus, dann treffen wir in den restlichen 16 Stunden ca. alle 3 Sekunden eine Entscheidung.

Wahnsinn, oder?

Natürlich treffen wir nicht alle Entscheidungen bewusst. Unser Bauch nimmt uns viel ab. Intuition nennt man das. 90% aller Entscheidungen laufen vollautomatisiert ab. Das hat viele Vorteile.

Klar ist aber auch, dass nicht alle Entscheidungen so funktionieren.

Wie sieht es mit den restlichen 10? Diese Entscheidungen bereiten uns im wahrsten Sinne des Wortes Kopfzerbrechen. Warum? Weil sie kognitiv ablaufen.

Genau diese Entscheidungen wollen wir uns genauer anschauen. Aus zweierlei Perspektiven. Einmal aus deiner Perspektive als Führungskraft und einmal aus Team-Perspektive.

Entscheidungsfindungs-Kompetenz

Jeff Besoz hat für sich einen simplen und effektiven Weg gefunden mit Entscheidungen umzugehen. Er teilt Entscheidungen in 2 Typen. Typ 1 und Typ 2. Er sagt dazu Folgendes:

Manche Entscheidungen sind unumkehrbar oder fast unumkehrbar – Einbahnstraßen – und diese Entscheidungen müssen methodisch, sorgfältig, langsam, mit großer Sorgfalt getroffen werden. Wenn die Entscheidung einmal getroffen ist, und dir das Ergebnis nicht gefällt, kannst du den Ursprungszustand nicht mehr herstellen. Das sind Typ 1 Entscheidungen.

Die meisten Entscheidungen sind nicht so – sie sind änderbar, umkehrbar. Wenn du eine suboptimale Entscheidung des Typs 2 getroffen hast, musst du nicht lange mit den Folgen leben. Du kannst die Entscheidung rückgängig machen oder neu entscheiden. Typ-2-Entscheidungen können und sollten von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen mit hohem Urteilsvermögen schnell getroffen werden.

Wenn du es mit einer Typ 2 Entscheidung zu tun hast, und das ist häufig der Fall, triff sie einfach nach bestem Wissen und Gewissen. Verschwende deine begrenzten zeitlichen und emotionalen Ressourcen nicht damit. Das bedeutet nicht, dass du diese Entscheidungen nicht leichtfertig treffen sollst. Aber mach keine Doktorarbeit draus.

Das schlimmste was passieren kann ist, dass du nochmal auf deine Entscheidung drauf schauen musst und sie ggf neu triffst. Und? Nicht schlimm, oder?

Oftmals steht hier das Ego im Weg. Zum einen trifft eine gute Führungskraft doch keine falschen Entscheidungen. Zum anderen, wenn es dann doch mal passiert, will man sich doch nicht die Blöße geben die Entscheidung erneut zu treffen. Dann kriegt ja jeder mit, dass die davor falsch war. Skandal.

Das hat etwas mit Fehlerkultur zu tun. Ein Thema für sich, dass ich in diesem Blogbeitrag schon mal beleuchtet habe. Kurz skizziert, geht es um die Frage: „Wie gehst du mit Situationen um, in denen du eine falsche Entscheidung getroffen hast. Oder anders formuliert, einen Fehler gemacht hast?“ Kehrst du alles unter den Tisch? Ist es dir unangenehm? ODER schaust du interessiert auf die Situation und möchtest daraus fürs nächste Mal lernen? Sprichst darüber und teilst deine Erkenntnisse mit deinen Mitarbeitenden?

Da braucht es Mindset-Arbeit: Akzeptiere potentiell falsche Entscheidungen und betrachte sie als Chance. Du wirst feststellen, dass es dir mit dieser Einstellung leichter fällt Entscheidungen zu treffen.

Entscheidungsfindung im Sport und in der Zukunftsforschung 

Weil es oftmals hilft über den Tellerrand zu blicken, nutze ich oftmals die Analogien des Sports, um Themen in einem spielerischen Kontext erlebbar zu machen. Als erfahrene Tennistrainerin und ehemalige Leistungssportlerin weiß ich, dass es beim Tennisspielen unzählige Entscheidungen zu treffen gilt. Beim Tennis hast du Bruchteile einer Sekunde Zeit, um zu entscheiden wie und wohin du den Ball übers Netz spielst. Im Sport verlässt du dich ganz automatisch auf deine Intuition. Und die lässt sich trainieren. Lies rein in diesen spannender Artikel, um das Thema Entscheidungen treffen von einer anderen Perspektive zu betrachten.

Typ 1 Entscheidungen sind wiederum ein komplett anderes Kaliber. Nach Jeff Bezoz sind sie unumkehrbar und sollten demnach mit Bedacht getroffen werden. In unserer äußerst komplexen Welt, haben wir selten bis nie alle benötigten Informationen zur Hand, um die eine absolut richtige Entscheidung zu treffen.

Vielleicht kennst du die Stacey Matrix. Sie beschreibt, dass Komplexität bedingt ist durch unklare und mehrdeutigen Anforderungen und neue unerprobte Lösungsansätze. Zu Deutsch – bei Typ 1 Entscheidungen braucht es neue Wege, agile Ansätze, iterative Schleifen. Auf Sicht fahren. Schritt für Schritt sich der Lösung nähern.

Das heißt du darfst und sollst dir hier Unterstützung holen, dich beraten lassen und deine Entscheidung nicht übers Knie brechen. Du kannst auch von Zukunftsforschern lernen. Die Arbeit von Zukunftsforschern ist geprägt von unklaren und mehrdeutigen Anforderungen und erfordert stetig neue und unerprobte Lösungsansätze.

Je größer die Gefahr des Nichthandelns, desto größer ist die Unsicherheit darüber, was zu tun ist, und umso wichtiger, aber auch gleichzeitig unmöglicher, sind richtige Entscheidungen. [Ulrich Beck, Zukunftsforscher]

Entscheidungsfindung im Team

Welche Entscheidungen eignen sich denn eigentlich für Team Entscheidungen? Wir gehen davon aus, dass es unterschiedliche Entscheidungstypen gibt:

  • Operative Entscheidungen, die bei der operativen Arbeit im Team oder einzelner Mitarbeitenden entstehen.
  • Strukturelle Entscheidungen, wenn es beispielsweise um die Zusammenstellung eines Teams geht oder welche Tools und Arbeitsmittel eingesetzt werden.
  • Strategische Entscheidungen, die das ganze Unternehmen oder bestimmte Geschäftsbereiche betreffen.

Die meisten Entscheidungen fallen in die Kategorie „operative Entscheidungen“. Typ 2 Entscheidungen sind häufig operative Entscheidungen. Sie eignen sich oftmals hervorragend für Team-Entscheidungen oder für Entscheidungen des jeweiligen Mitarbeiters.

Schaffe Raum für eigenverantwortliche Entscheidungen!

Ein guter Mitarbeiter trifft in 70 Prozent aller Fälle dieselben Entscheidungen wie sein Chef. In 20 Prozent fällt er bessere Entscheidungen, weil er von der Sache mehr Ahnung hat. Und in 10 Prozent liegt er daneben. [DANIEL EK – Gründer und Vorstandsvorsitzender von Spotify]

Wenn du deine Mitarbeitenden befähigst selbst Entscheidungen zu treffen, bedeutet das für dich mehr Zeit für die großen Entscheidungen zu haben. Damit sie sich trauen eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen bedarf es einer psychologischen Sicherheit im Team. Das heißt die Mitarbeitenden sollen keine Angst vor Fehlern und negativen Konsequenzen haben.

Tool-Tipps für Team-Entscheidungen

Es gibt zahlreiche Methoden, um im Team rasch und konstruktiv Entscheidungen zu treffen. 2 davon möchte ich dir kurz vorstellen. Für beide Methoden gilt:

Die Themen sollten gut diskutiert und geklärt sein, dass alle Teilnehmenden das notwendige Wissen für die Abstimmung mitbringen. Im Anschluss sollte zudem noch Zeit für eine Diskussion gelassen werden, falls keine eindeutige Entscheidung zustande kommt. Hier können die Teilnehmenden, die einen Vorschlag ablehnen oder Bedenken haben, ihre Einwände äußern. Nach der Diskussion kann das Team erneut abstimmen.

Tool-Tipp 1: Fist to five

Ziel dieser Technik ist es, die Zustimmung oder Ablehnung des Teams zu einem bestimmten Thema abzufragen. Das Team gibt seine Stimme per Handzeichen ab: Von der Faust bis zum Zeigen aller fünf Finger sind somit 6 Formen der differenzierten Meinungsabgabe möglich:

  • Faust (Fist): „Veto. Die Entscheidung trage ich auf keinen Fall mit.“
  • 1 Finger: „Ich habe Bedenken bei der Entscheidung. Es ist kein kategorisches Nein, es muss aber noch einiges getan werden, damit der Vorschlag umgesetzt/die Entscheidung getroffen werden kann.“
  • 2 Finger: „Ich bin nicht glücklich damit und habe Bedenken, über die wir sprechen sollten“.
  • 3 Finger: „Ich bin nicht mit allem zu 100 Prozent einverstanden, kann aber mit dem Vorschlag leben und trage die Entscheidung mit.“
  • 4 Finger: „Ich stimme zu.“
  • 5 Finger (Five): „Das ist die beste Entscheidung, die wir treffen können.“

Tool-Tipp 2: Dot Voting

Dot Voting ist eine simple und schnelle Methode für Teams, um zwischen verschiedenen Optionen zu entscheiden. Dazu werden zunächst die Themen gesammelt, über die abgestimmt werden soll:

  • Die gesammelten Themen werden auf Post-its geschrieben und für alle Teilnehmenden gut sichtbar auf ein Whiteboard oder einfach eine Wand gebracht.
  • Alle Teilnehmenden der „Punktabstimmung“ erhalten eine gleiche Anzahl an Stimmen und stimmen gleichzeitig ab. Faustregel: Das Verhältnis zwischen den zur Auswahl stehenden Themen und der abzugebenden Stimmen sollte etwa bei 4:1 liegen. Soll beispielsweise über 12 Themen abgestimmt werden, erhalten die Teilnehmenden jeweils 3 Stimmen.
  • Die Stimmen werden in Form von Klebepunkten (Dots) abgegeben. Alternativ setzen die Teammitglieder auch Striche auf die favorisierten Themen.
  • Nachdem die Teilnehmenden ihre Punkte verteilt haben, werden die Stimmen ausgezählt. So ergibt sich dann ein eindeutiger Favorit bzw. eine priorisierte Liste.

Dot Voting ist eine einfache und effektive Methode, um Themen zu priorisieren und im Team Entscheidungen zu treffen.

ACHTUNG: Sie hat auch einen Nachteil: Im Live-Kontext kann es zum Gruppendenken und gegenseitiger Beeinflussung kommen. Teilnehmende lassen sich vom Abstimmungsverhalten anderer beeinflussen und neigen dazu, ihre Punkte auf die „beliebtesten“ Zettel zu kleben. Bei einer virtuellen Abstimmung lässt sich dieses Problem vermeiden: Digitale Kollaborationstools wie beispielsweise Mural oder Miro bieten Funktionen für anonyme Abstimmungen.

Idealerweise lässt du dich und dein Team von einem Agile Coach oder einer Moderatorin durch den gesamten partizipativen Prozess begleiten.

Zeit für deine Reflexion

Nun haben wir das Thema Entscheidungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Wie steht es um dich?

  • Triffst du Entscheidungen grundsätzlich eher mit dem „Bauch“ oder mit dem „Kopf“?
  • Welche Entscheidungen lässt du dein Team treffen? Welche triffst du allein? Und warum?
  • Welche Methoden nutzt ihr im Team, um Entscheidungen zu treffen?
  • Triffst du Entscheidungen und stehst dazu? Oder tendierst du dazu sie x-fach zu überdenken und zu revidieren?

Wenn dich das Thema „Entscheidungen im Team treffen“ umtreibt und du zum Beispiel vermehrt partizipative Entscheidungsprozesse in deinem Team implementieren möchtest, buche dir gerne ein unverbindliches Gespräch, um zu besprechen, wie ich dir helfen kann.

Und wenn du Lust hast, komm zum Team Talk. Der Team Talk ist ein Austausch- & Impulsformat. Er ist dein Safe-Space, für den Erfahrungsaustausch mit gleichgesinnten Führungskräften. Wir besprechen Herausforderungen und teilen Best Practices rund um erfolgreiche und motivierte Teams.

 

 

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Sandra Karner

Erfolgreiche und motivierte Teams für dein Unternehmen! Deine Expertin für Team Coaching und Einzel Coaching.

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